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Theodor-Heuss-Brücke: Düsseldorf steuert auf das nächste Verkehrschaos zu

21.07.2026
Elmar Salinger
heute
Theodor-Heuss-Brücke: Düsseldorf steuert auf das nächste Verkehrschaos zu

Theodor-Heuss-Brücke: Düsseldorf steuert auf das nächste Verkehrschaos zu

Die angekündigte Sanierung der Theodor-Heuss-Brücke entwickelt sich schon heute zu einem Lehrbeispiel dafür, wie fehlgeleitete Verkehrsplanung eine ganze Stadtregion an ihre Belastungsgrenze bringen kann.
Ab Ende 2026 soll eine der wichtigsten Rheinquerungen Düsseldorfs für zweieinhalb Jahre nur noch einspurig und mit Tempo 30 befahrbar sein. Nach Angaben der Stadt müssen dadurch täglich rund 42.500 Fahrzeuge umgeleitet werden, während nur noch etwa 30.500 Fahrzeuge pro Tag die Brücke regulär nutzen können. Doch je genauer man die von der Verwaltung vorgestellten Maßnahmen betrachtet, desto größer werden die offenen Fragen.

Massive Mehrbelastung für den linksrheinischen Verkehr

Besonders betroffen werden die linksrheinischen Stadtteile wie Oberkassel, Niederkassel, Heerdt und Lörick sein. Bereits bei der Informationsveranstaltung der Stadt am 22. Juni wurde deutlich: Ein erheblicher Teil des Verkehrs soll künftig über die Oberkasseler Brücke und die Luegallee umgeleitet werden. Die Verwaltung selbst geht davon aus, dass täglich rund 9.000 zusätzliche Fahrzeuge allein auf diesen Bereich treffen könnten – das entspricht durchschnittlich rund 600 zusätzlichen Fahrzeugen pro Stunde. Schon heute gehören die Luegallee und die angrenzenden Verkehrsachsen zu den am stärksten belasteten Straßen im linksrheinischen Düsseldorf. Pendler, Lieferverkehr und Anwohner müssen sich daher auf dauerhafte Staus, längere Fahrzeiten und massive Einschränkungen einstellen.

Das Problem: Die Theorie passt nicht zur Realität vor Ort

Besonders kritisch ist die praktische Verkehrsführung. Nach aktuellem Stand wird die Zufahrt vom Joseph-Beuys-Ufer Richtung Oberkasseler Brücke gesperrt. Gleichzeitig verändert sich die Verkehrsführung rund um die Fritz-Roeber-Straße erheblich. Die Konsequenz ist offensichtlich: Wer aus Teilen der Innenstadt oder vom Bereich des Rheinufertunnels Richtung linksrheinische Stadtteile fahren möchte, wird künftig nur noch über komplizierte Wendemanöver oder erhebliche Umwege auf die Oberkasseler Brücke gelangen. Schon jetzt erreichen uns zahlreiche Hinweise von Bürgern, dass diese Verkehrsführung neue Engpässe erzeugt, anstatt bestehende Probleme zu lösen.

Die Stadt bleibt Antworten schuldig

Besonders problematisch ist, dass die Verwaltung zwar umfangreiche Umleitungspläne präsentiert, aber kaum konkrete Aussagen dazu macht, wie die zusätzlichen Verkehrsströme tatsächlich bewältigt werden sollen. In der offiziellen Präsentation „Wege für Alle“ ist zwar von angepassten Ampelschaltungen und LED-Informationstafeln die Rede. Gleichzeitig zeigen die eigenen Prognosen der Stadt jedoch etwas völlig anderes:
– deutliche zusätzliche Belastungen an der Oberkasseler Brücke
– steigende Verkehrsbelastung auf mehreren innerstädtischen Achsen
– höhere Staugefahr trotz verkehrslenkender Maßnahmen
Die Stadt räumt in ihren eigenen Unterlagen sogar ein, dass insbesondere im Bereich Oberkasseler Brücke, Joseph-Beuys-Ufer und Luegallee die stärksten Verschlechterungen zu erwarten sind.

Wieder einmal zahlen die Bürger den Preis schlechter Planung

Besonders irritierend ist zudem, dass die Stadt die Bürger gleichzeitig auffordert, verstärkt auf Bus und Bahn umzusteigen. Ein Blick in die Planungen zeigt jedoch: Beim öffentlichen Nahverkehr soll nahezu alles beim Alten bleiben. In der offiziellen Planung heißt es ausdrücklich, dass das aktuelle Betriebskonzept der Rheinbahn unverändert fortgeführt werden soll.
Mit anderen Worten: Die Bürger sollen ihr Mobilitätsverhalten ändern, ohne dass die Stadt ernsthafte zusätzliche Alternativen schafft. Auch das wirft erhebliche Zweifel daran auf, ob die Verantwortlichen die tatsächlichen Auswirkungen ihrer eigenen Planungen realistisch einschätzen.

Auch der Verweis auf den Radverkehr greift an der Realität vorbei. Zwar appelliert die Stadt immer wieder an die Bürger, häufiger das Fahrrad zu nutzen. Tatsächlich zeigen die eigenen Verkehrszahlen jedoch, dass der motorisierte Individualverkehr die mit Abstand größte Verkehrsleistung auf den Rheinquerungen erbringt. Während über die Theodor-Heuss-Brücke heute täglich rund 73.000 Kraftfahrzeuge fahren und während der Sanierung noch rund 30.500 Fahrzeuge die Brücke passieren sollen, bewegen sich die täglichen Radverkehrszahlen auf Düsseldorfer Rheinbrücken lediglich im niedrigen vierstelligen Bereich. Selbst wenn sich der Radverkehr kurzfristig verdoppeln würde, könnte dies den Wegfall von 42.500 Fahrzeugfahrten pro Tag nicht annähernd kompensieren. Entscheidend für das Funktionieren der Stadt bleiben daher leistungsfähige Straßenverbindungen für Pendler, Handwerk, Lieferverkehr, Rettungsdienste und Unternehmen. Ein Verkehrskonzept, das diesen Realitäten nicht Rechnung trägt, droht die bestehenden Probleme eher zu verschärfen als zu lösen.

Unsere Forderung: Ehrliche Transparenz statt Schönrechnerei

Wir fordern vollständige Transparenz bei den tatsächlichen Verkehrsprognosen und konkrete Maßnahmen zur Entlastung der betroffenen Stadtteile. Insbesondere müssen folgende Fragen beantwortet werden:

·       Welche realen Verkehrsflussprognosen liegen konkret für Oberkassel und die linksrheinischen Stadtteile vor?
·       Welche Maßnahmen sollen verhindern, dass es täglich zu einem Verkehrskollaps auf der Luegallee kommt?
·       Warum wird die zeitweise Nutzung bestehender Fahrspuren zur Kapazitätserhöhung nicht ernsthaft geprüft?
·       Warum existiert kein belastbares Konzept zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs während der Bauphase?

Düsseldorf darf nicht zulassen, dass eine notwendige Brückensanierung zum Dauerchaos für tausende Bürger, Pendler und Unternehmen wird.
Die AfD-Ratsfraktion Düsseldorf wird dieses Thema weiterhin kritisch begleiten und sich konsequent für die Interessen der Bürger einsetzen.