
Glosse: Düsseldorfs neue Ampelmännchen – Bei den Prioritäten sehen wir Rot

Düsseldorf bekommt neue Ampelfiguren. Künftig sollen an ausgewählten Kreuzungen auch gleichgeschlechtliche Paare den Weg über die Straße weisen. Was von SPD, Grünen und FDP als sichtbares Zeichen für Vielfalt gefeiert wird, wirft für uns vor allem eine andere Frage auf:
Hat Düsseldorf derzeit wirklich keine dringenderen Probleme?
Bereits 2024 wurde über die sogenannten „Ampelpärchen der Vielfalt“ leidenschaftlich gestritten. Oberbürgermeister Stephan Keller stellte damals eine bemerkenswert einfache Frage: Sind neue Ampelfiguren wirklich das, was die Menschen von der Kommunalpolitik erwarten? Zwei Jahre später ist diese Frage aktueller denn je.
Eine Ampel soll den Verkehr regeln – nicht die Gesellschaft erklären
Für uns ist klar: Jeder Mensch soll in Düsseldorf frei, sicher und ohne Diskriminierung leben können – unabhängig davon, wen er liebt. Dafür braucht es einen funktionierenden Rechtsstaat, Respekt im täglichen Miteinander und eine Stadtpolitik, die konkrete Probleme löst.
Ob dafür ausgerechnet Verkehrszeichen zuständig sein müssen, darf man allerdings bezweifeln.
Denn wenn wir erst einmal anfangen, gesellschaftliche Repräsentation zum Gestaltungsprinzip von Ampeln zu machen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wo endet die Repräsentationspflicht?
Wir freuen uns schon auf die Kreuzung der Zukunft. Wenn irgendwann jede Identität, jedes Beziehungsmodell und jede Lebensweise angemessen berücksichtigt werden soll, hat die Ampel bald 48 Phasen. Irgendwann warten Autofahrer nicht mehr auf Grün, sondern darauf, dass nach Paaren, Singles, Familien, Veganern, Crossfittern und Hundebesitzern endlich ihre eigene Lebenswirklichkeit aufleuchtet.
Berufsverkehr? War mal.
Und dann beginnt natürlich die eigentliche kommunalpolitische Herausforderung: die gerechte Verteilung.
Wenn an einer Kreuzung zwei Männer als Paar leuchten, müssen dann an der nächsten zwei Frauen abgebildet werden? Wie viele klassische Ampelmännchen sind noch zulässig? Brauchen Singles eine eigene Kreuzung? Und wer führt eigentlich Buch darüber, ob alle Gruppen angemessen berücksichtigt wurden?
Das neue Bundesamt für Ampel-Gleichstellung vielleicht?
Man merkt: Wer aus einem Verkehrszeichen ein gesellschaftspolitisches Repräsentationsinstrument macht, eröffnet eine Debatte, die mit Verkehrssicherheit erstaunlich wenig zu tun hat.
Düsseldorf braucht weniger Symbolpolitik und mehr funktionierende Stadtpolitik
Die Menschen erwarten von ihrer Stadt zu Recht, dass Straßen, Schulen und öffentliche Infrastruktur funktionieren, dass Verwaltung erreichbar ist, öffentliche Räume sauber und sicher sind und der Verkehr vernünftig organisiert wird.
Das sind die Aufgaben, an denen Kommunalpolitik gemessen werden sollte.
Niemandem wird ein Recht genommen, weil an einer Ampel ein neutrales Fußgängersymbol leuchtet. Und niemandes Alltag wird entscheidend besser, weil dieses Symbol durch ein politisch gewünschtes Pärchen ersetzt wird.
Respekt und Gleichberechtigung entstehen nicht durch Schablonen auf Verkehrsampeln. Sie zeigen sich darin, wie Menschen miteinander umgehen und ob eine Stadt ihre tatsächlichen Aufgaben erfüllt.
Deshalb sagen wir: Düsseldorf braucht keine immer neuen Ampelfiguren. Düsseldorf braucht eine Politik, die bei den wesentlichen Problemen endlich auf Grün schaltet.
Wobei – vielleicht sollten wir Grün vorsichtshalber gleich durch Blau ersetzen.
